Ecuador gehört zu den ärmsten Ländern Südamerikas. Die hohe Inflationsrate hat zum Verfall der Währung (Sucre) und zur Einführung des US $ als offizielles Zahlungsmittel geführt. Die Preise für Konsumgüter sind auf dem Niveau der westlichen Industrieländer. Ihnen stehen die Minimallöhne der Landbevölkerung, speziell der Indios, gegenüber. Das hat große Teile der Indiobevölkerung weiter verelenden lassen. An vielen Orten fehlt jede medizinische Versorgung, denn die Ärzte erhalten weder vom Staat, noch von den in größter Armut lebenden Menschen, ein Entgelt für ihre Tätigkeit. Es mangelt an allem, speziell auch an Medikamenten und medizinischem Gerät.
Meine Eindrücke auf einer Reise durch Ecuador veranlaßten mich, zunächst aus privater Initiative Hilfe zu leisten. 1992 schickte ich eine komplette zahnärztliche Praxiseinrichtung nach Azogues, der Hauptstadt der Provinz Cañar.
Der junge Zahnarzt Dr. Lenin Buestán, den ich zufällig kennengelernt hatte, sah sich dadurch in der Lage, seine zahnärztliche Tätigkeit aufzunehmen. Eigene finanzielle Mittel standen ihm nicht zur Verfügung. Als Gegenleistung und auf eigene Initiative unterbreitete der ecuadorianische Zahnarzt überraschend den Vorschlag, ca. 2300 bedürftigen Indios eine kostenlose zahnärztliche Grundversorgung zu gewähren. Er bat um die Finanzierung bzw. Zusendung des zahnärztlichen Verbrauchsmaterials, welches er auch in seiner regulären Praxis verwenden darf.
Die Bedürftigkeit der zu behandelnden Indios in den entlegenen Indiosiedlungen bestimmt die INNFA (Nationales Institut für das Kind und die Familie).
Im Januar 1997 traf ein gebrauchtes Narkosegerät der Fa. Dräger in Ecuador ein. Das voll funktionsfähige und überprüfte Gerät war ein Geschenk des Klinikums Lippe-Detmold. Es dient der zahnärztlichen Behandlung geistig behinderter Kinder in Intubationsnarkose und wird von der Frau des Zahnarztes, der Ärztin Dr. Patricia Lopéz de Buestan, eingesetzt.
Bedingt durch die Unwegsamkeit des Andenhochlandes blieben die Indios in entlegenen Siedlungen jedoch weiterhin von jeder medizinischen Versorgung abgeschnitten. So entstand der Plan, das Projekt mit einem extrem geländegängigen Fahrzeug und einem Lazarettzelt nebst medizinischer und zahnmedizinischer Ausstattung auszurüsten.
Im Jahre 1997 wurde deshalb der gemeinnützige Verein "Medinizisches Hilfsprojekt Ecuador" in Detmold gegründet, der innerhalb eines Jahres ca. 70.000 DM an Geld- und Sachspenden für das Projekt "Mobile Klinik" sammelte. Die Ausrüstung traf im April 1998 per Schiff in Ecuador ein, konnte aber erst nach einjährigen, zähen Verhandlungen mit den ecuadorianischen Zollbehörden endlich im Sommer 1999 an das Sozialvikariat der Erzdiözese von Cuenca unter der Leitung von Pater Fernando Vega überstellt werden. Er überwacht und koordiniert seitdem das Ärzteteam, dem Fahrzeug und medizinische Einrichtung zur ständigen Nutzung übergeben wurden. Eigentümer der Mobilen Klinik ist die Katholische Kirche von Ecuador.
Nach anfänglichen Schwierigkeiten ist das Ärzteteam jetzt etwa 2 mal in der Woche zur basismedizinischen Betreuung in zuvor gänzlich unversorgten Gemeinden im Einsatz.
Je nach den Gegebenheiten findet die Sprechstunde in von den Gemeinden zur Verfügung gestellten, extrem einfachen Räumlichkeiten, im Lazarettzelt oder in einem selbst gebauten Anhänger statt, der als "Sprechzimmer" dient.
Ziel des Vereins "Medizinisches Hilfsprojekt Ecuador" (MHE) ist es die Selbsthilfe in Ecuador zu fördern. Junge Menschen aus den Gemeinden des Andenhochlandes werden zu Gesundheitshelfern ausgebildet und können so dem Ärzteteam einen Teilseiner schweren Arbeit abnehmen. Es ist vorgesehen, weitere Ärzte in das Projekt einzubeziehen und es so auf mehrere Provinzen auszubreiten. Eine gerechtere, sozial und politisch stabilere Gesellschaft wird durch das Projekt gefördert. In dem von schweren sozialen Unruhen erschütterten Land ist das von großer Bedeutung. Unsere Hilfe sollte am Ort des Geschehens einsetzen, dort wo die Menschen in für uns unvorstellbarer Weise verelenden.
Dr. U. Kanne
1. Vorsitzender MHE
